Handelsblatt, 16.-18.06.2006, Nr. 114, S. 9
DÜSSELDORF. Die Bilanz für das Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) fällt zufrieden stellend aus: Die Denkfabrik habe „das Potenzial für eine Förderung als Forschungseinrichtung", teilte der Senat der Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz (WGL) mit.
Das seit 1999 von Hans-Werner Sinn geleitete Ifo-Institut zählt zu den sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungseinrichtungen, deren Etat jeweils zur Hälfte von Bund und den Ländern finanziert werden. Spätestens alle sieben Jahre nimmt eine Evaluierungskommission aus unabhängigen Forschern, die von der WGL gebildet wird, die führenden deutschen Institute unter die Lupe.
Das Münchener Institut war in der letzten turnusmäßigen Evaluierung durch den Wissenschaftsrat noch vor dem Antritt Sinns wegen zu schwacher Forschungsleistungen kritisiert, zu einer „forschungsbasierten Serviceeinrichtung" umgestuft worden und hatte damit den Rang eines Forschungsinstituts verloren.
In den vergangenen Jahren habe sich das Institut „sehr erfolgreich entwickelt". Der neue Präsident Sinn habe das Institut „grundlegend reorganisiert und als Zentrum moderner anwendungsorientierter wirtschaftswissenschaftlicher Forschung und wissenschaftlicher Politikberatung profiliert", schreibt der Senat. Trotz einer drastischen Mittelkürzung und eines schwierigen Umstrukturierungsprozesses sei es dem Institut gelungen, seinen Output bei den Publikationen, der Organisation wissenschaftlicher Veranstaltungen und der Politikberatung „gewaltig" zu erhöhen und mache einen „sehr starken Eindruck", heißt es weiter.
Allerdings entsprächen einige Servicebereiche „vor allem hinsichtlich ihres methodologischen Ansatzes nicht dem Stand der Forschung", kritisierte der Senat. Er vermisse ein kohärentes Arbeitsprogramm, das eine Grundlage für eine Neujustierung des Anteils von Forschungs- und Serviceleistungen biete. „Das Ifo wird gebeten, ein solches Programm vorzulegen, auf dessen Grundlage der Senat 2009 eine Empfehlung an Bund und Länder zur Weiterförderung als Forschungseinrichtung abgeben wird", schreibt der Senat.
Das Münchener Institut selbst bezeichnete gestern den Beschluss des Leibniz-Senats als „wichtigen Meilenstein in der Geschichte" der Denkfabrik. „Nach der Konsolidierung in Deutschland können wir nun unsere Anstrengungen beim Ausbau des Ifo-Instituts als einer wahrhaft internationalen Forschungsplattform in Europa verstärken", kommentierte Ifo-Präsident Sinn.
Doh
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