Standpunkt 6. Oktober 2025

Zweckentfremdung neuer Schulden stoppen!

Foto: Der ifo-Präsident Prof. Clemens Fuest
Seite teilen
Seite teilen

 

 

Ökonomisch angemessen wäre es eigentlich, dass die Schulden langsamer wachsen als die zusätzlichen Ausgaben für Infrastruktur und Rüstung.

Bei der Infrastruktur erfordert nachhaltige Finanzpolitik, nur die Nettoinvestitionen mit Schulden zu finanzieren. Ausgaben zur Sanierung vorhandener Infrastruktur sollten nicht mit Schulden bestritten werden, denn den Schulden steht ja kein Zuwachs des öffentlichen Kapitals gegenüber. Bei der Rüstung kann man zwar die Finanzierung über Schulden mit einer akuten Bedrohungslage begründen, die einen spontanen und massiven Aufwuchs der Ausgaben nötig macht. In den kommenden Jahren sollte aber dann die Schuldenfinanzierung schrittweise reduziert werden.

Fehlende Strategie

Nicht eingelöst ist auch die zweite Anforderung: Bis heute liegt keine überzeugende längerfristige Strategie für den Einsatz der Infrastrukturmittel vor. Es ist eher so, dass von vielen Seiten Ausgabenwünsche angemeldet werden und offenbar ad hoc entschieden wird, wer wieviel bekommt.

Kein Gesamtkonzept

Ähnliches gilt für den dritten Punkt, die Einbettung in ein wirtschafts- und finanzpolitisches Gesamtkonzept mit entsprechenden Reformen. Wirksame Maßnahmen für mehr Arbeitsangebot und Bürokratieabbau sind aber allenfalls in Ansätzen erkennbar. Immerhin weisen Einzelmaßnahmen wie verbesserte steuerliche Abschreibung für private Investitionen in die richtige Richtung.

Die Bundesregierung hat noch immer Möglichkeiten, ihre Pläne zu korrigieren, damit die zusätzlichen Verschuldungsspielräume angemessen genutzt werden. Vor allem muss sichergestellt werden, dass die Mittel tatsächlich in vollem Umfang die Rüstungsausgaben und die Infrastrukturinvestitionen steigern. Wenn die bisherige massive Zweckentfremdung des Geldes weitergeht, wird die Bundesregierung die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands schädigen und das bereits erschütterte Vertrauen in ihre Finanzpolitik vollends verspielen.

 

Clemens Fuest
Professor für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der LMU München
Präsident des ifo Instituts

 

Ähnlich erschienen unter dem Titel „Deutschlands Irrweg beim Sondervermögen“, Focus+, 26. September 2025.
 

Kontakt

CV Foto von Prof. Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest

Prof. Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest

Vorstand des ifo Instituts
Präsident
+49(0)89/9224-1430
Zum Profil