ifo Konjunkturprognose 4. September 2025

ifo Konjunkturprognose Herbst 2025: Finanzpolitik könnte deutsche Wirtschaft aus der Krise hieven

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Grafik, Bruttoinlandsprodukt in Deutschland, Herbst 2025

Prognose der deutschen Wirtschaft

Im dritten Quartal 2025 dürfte die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal nur leicht um 0,1% steigen. Im weiteren Verlauf spielt die Finanzpolitik der neuen Bundesregierung eine entscheidende Rolle: Maßnahmen aus dem Koalitionsvertrag wie beschleunigte Abschreibungen, Senkungen der Umsatzsteuer in der Gastronomie sowie der Stromsteuer für das Produzierende Gewerbe, reduzierte Netzentgelte und die Erhöhung der Pendlerpauschale sollen Unternehmen und Haushalte entlasten. Die Fiskalimpulse liegen 2025 bei 9 Mrd. Euro, 2026 bei 38 Mrd. Euro und 2027 bei 19 Mrd. Euro. Wenn die Maßnahmen konsequent umgesetzt werden und dadurch die hohe Unsicherheit weicht, könnte die Finanzpolitik die deutsche Wirtschaft aus der Krise hieven: die vierteljährlichen Zuwachsraten beim BIP könnten bis zu 0,4% erreichen, die Unterauslastung sich verringern und eine Erholungsphase eingeleitet werden. Im Jahr 2027 dürfte sie als Folge der fiskalischen Impulse sogar in eine Überauslastung steuern.

Arbeitsmarkt

Die Krise schlägt sich auch auf dem Arbeitsmarkt nieder. Die Erwerbstätigenzahl dürfte 2025 nur um 19.000 steigen, weil die Partizipationsquote insbesondere der zugewanderten Bevölkerung weiter kräftig zunimmt. Gleichzeitig nimmt voraussichtlich die registrierte Arbeitslosigkeit um 155.000 zu und die Arbeitslosenquote steigt auf 6,3%. In 2026 dürfte die Zahl der Erwerbstätigen um 96.000, 2027 um 225.000 steigen, während die Arbeitslosenquote auf 6,1% bzw. 5,4% sinkt. Der Arbeitsmarkt profitiert von der wirtschaftlichen Erholung, wird aber durch den demografischen Wandel gebremst.

Inflation

Die Inflationsrate dürfte 2025 bei 2,2% liegen und 2026 auf 2,1% sinken. Die Energiepreise werden voraussichtlich weiter zurückgehen, weil Anfang 2026 unter anderem die Netzentgelte gesenkt und die Gasspeicherumlage abgeschafft werden. Auch bei den Dienstleistungen dürfte sich der Preisauftrieb allmählich abschwächen: Im Januar 2026 sinkt die Umsatzsteuer in der Gastronomie, und der allgemeine Lohnauftrieb schwächt sich im kommenden Jahr ab. Einem stärkeren Rückgang der Lohnkosten wirkt allerdings die kräftige Anhebung des Mindestlohns in den kommenden beiden Jahren entgegen. Da zudem die Konjunktur an Fahrt gewinnt, wird sich der Lohnauftrieb insgesamt im Jahr 2027 wohl wieder etwas beschleunigen.

Die Kerninflationsrate, also der Anstieg der Verbraucherpreise ohne Energie, sinkt von 2,6% im laufenden Jahr auf 2,4% 2026, steigt aber 2027 leicht auf 2,5%. Zudem wird angenommen, dass der CO₂-Preis im Jahr 2027 deutlich ansteigt, was die Energie verteuert und die Gesamtinflation auf 2,6% erhöht.

Staatsfinanzen

Die Finanzpolitik ist 2025 insgesamt leicht restriktiv ausgerichtet, was trotz der zusätzlichen fiskalischen Impulse der neuen Bundesregierung auf das Auslaufen der Inflationsausgleichsprämien sowie der kräftigen Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge zurückzuführen ist. Daher sinkt das Defizit auf 2,1% des BIP. Mit der Ausweitung der fiskalischen Maßnahmen liegt es in den kommenden beiden Jahren bei 3,0% und 2,7%. Der Bruttoschuldenstand erhöht sich bis 2027 auf 63,5% des BIP. In 2027 werden die expansiven fiskalischen Impulse durch einen höhere CO₂-Preise und Sozialversicherungsbeiträge teilweise kompensiert.
 

„Die US-Zölle belasten die deutsche Wirtschaft nach wie vor spürbar. Von der Einigung im Zollstreit zwischen den USA und der EU sind keine unmittelbaren Effekte auf die Prognose zu erwarten, da die effektiven Zollsätze weitgehend dieselben sind wie im Sommer. Lediglich die mit dem bisherigen Zollstreit verbundene Unsicherheit dürfte allmählich zurückgehen, was die Konjunktur stützt.“

Prof. Dr. Timo Wollmershäuser, Stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen und Leiter Konjunkturprognosen
Timo Wollmershäuser
Tabelle, Eckdaten, August 2025
Tabelle, Eckdaten, August 2025

Risiken

Die Erholung der deutschen Wirtschaft hängt von den Weichenstellungen der Wirtschafts- und Finanzpolitik ab. Setzt sich der wirtschaftspolitische Stillstand fort, drohen dem Land weitere Jahre der wirtschaftlichen Lähmung und der Erosion des Unternehmensstandorts. Die Prognose könnte allerdings auch besser ausfallen, wenn die Bundesregierung zusätzlich potenzialstärkende Reformen einleitet.

Auch von der US-Wirtschaftspolitik gehen Risiken für die deutsche Konjunktur aus. Zwar gibt die Einigung im Zollstreit etwas mehr Klarheit über die zukünftige Höhe der US-Importzölle für Waren aus der EU. Es besteht jedoch das Risiko, dass die Einigung keinen Bestand hat und die Zollsätze im Prognosezeitraum erneut geändert werden.

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Kontakt

CV Foto von Prof. Dr. Timo Wollmershäuser

Prof. Dr. Timo Wollmershäuser

ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen
Stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen und Leiter Konjunkturprognosen
+49(0)89/9224-1406
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