Randstad-ifo-HR-Umfrage 21. Juli 2026

Unternehmen unter Druck: Arbeitsbelastung, mentale Gesundheit und Teilkrankschreibung (2. Quartal 2026)

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Energie-, Material- und Betriebskosten belasten Unternehmen am stärksten 

Fast zwei Drittel der Unternehmen (63%) geben als momentan stärkste Belastung hohe Energie-, Material- oder Betriebskosten an. Mit 62% wird allerdings annähernd genauso häufig die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung genannt. Etwas dahinter folgen die schwache Nachfrage bzw. der Auftragsrückgang (45%). Mit etwas mehr als einem Drittel der Meldungen (36%) rangiert der Fachkräfte- und Personalmangel erst an vierter Stelle. Die momentan größten Belastungen für die Unternehmen sind also deutlicher durch aktuelle (geo-)politische Ereignisse als durch strukturelle Schwierigkeiten bedingt. Als weitere belastende Faktoren nennt knapp über ein Viertel (26%) der Betriebe den hohen Personal- oder Arbeitsdruck in Teams und 16% Probleme in der Beschaffung durch eine Störung in den Lieferketten. Zusätzlich melden die Unternehmen den hohen Bürokratieaufwand als wirtschaftliches Hemmnis.  Nur ein geringer Anteil (3%) der Unternehmen spricht von keinen wesentlichen Belastungen. 

Im Vergleich der Wirtschaftsbereiche zeigen sich teilweise deutliche Unterschiede. Für Industrieunternehmen sind mit Abstand (76%) die gestiegenen Energie-, Material- und Betriebskosten das dringlichste Problem, während dies im Handel mit 53% deutlich seltener der Fall ist. Handelsbetriebe sehen sich dafür stärker (64%) mit einer schwachen Nachfrage bzw. einem Auftragsrückgang konfrontiert, was für Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor wiederum mit 32% wesentlich seltener ein Problem darstellt. Auch sind hier Lieferkettenstörungen weniger relevant (10%) als in der Industrie (21%) und im Handel (20%). Die Dienstleister sprechen mit 42% hingegen etwas häufiger als im Gesamtdurchschnitt von einem Fachkräfte- und Personalmangel (Handel: 36%, Industrie: 29%).

Knappe Mehrheit der Unternehmen unternimmt keine besonderen Maßnahmen als Reaktion auf hohe Mobilitätskosten

Aufgrund der gestiegenen Benzin- und Dieselpreise haben sich die Mobilitätskosten für Unternehmen sowie für Beschäftigte in den letzten Wochen erhöht. Etwas mehr als die Hälfte (55%) der Betriebe zieht aufgrund dessen aber keine besonderen Maßnahmen in Betracht. Genau ein Viertel setzt auf mehr digitale Meetings statt Präsenzterminen, um Pendelwege zu vermeiden. Weitere 17% sprechen von weniger unternommenen Dienstreisen bzw. einem Reisestopp, 15% bezuschussen ÖPNV oder bieten andere Mobilitätsangebote (z. B. Tankgutscheine) an. Ebenso 15% bauen auf die Ausweitung des Homeoffice-Angebots und 8% haben ihre Dienstwagen- oder Autoflottenregelung angepasst. So geben zum Beispiel einige Betriebe an, ihre Autoflotte auf E-Fahrzeuge umgestellt zu haben.

Arbeitsbelastung häufiger gestiegen als gesunken

In den vergangenen zwölf Monaten ist die Arbeitsbelastung der Mitarbeitenden häufiger gestiegen als gesunken. 38% der Unternehmen melden eine Zunahme der Arbeitsbelastung, während 21% von einer Abnahme sprechen. Dabei geben 6% eine deutliche Steigerung an, für 32% ist die Belastung „eher gestiegen“. Bei 17% der Betriebe war von einer eher gesunkenen Belastung die Rede, in 4% der Fälle ist sie stark gesunken. Für 41% der Unternehmen ist der Arbeitsaufwand unverändert geblieben. Somit zeichnet sich ein zwiegespaltenes Bild: möglicherweise sind Betriebe zurückhaltender bei Neueinstellungen von Personal oder es muss aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit effizienter gearbeitet werden, was die Arbeitsbelastung für Mitarbeitende steigen lässt. Gleichzeitig bedeutet ein Rückgang der Auftragslage oder möglicherweise auch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Arbeitsalltag zu einer sinkenden Arbeitsbelastung führen.

Bei Industrieunternehmen lässt sich ein stärkerer Anstieg des Arbeitsaufwands erkennen. 9% melden, dass die Belastung in den vergangenen zwölf Monaten deutlich gestiegen ist, bei 35% ist sie eher gestiegen. Allerdings wird hier auch am häufigsten (23%) von einem Rückgang gesprochen (eher gesunken: 18%, deutlich gesunken: 5%). Das heißt, in der Industrie ist dieser polarisierender Effekt am deutlichsten zu spüren. Im Handel und im Dienstleistungssektor sind die Entwicklungen ähnlich zum Gesamteffekt: in beiden Sektoren melden 35% einen Anstieg und 21% einen Rückgang der Belastung.

Hinsichtlich der Größenklassen gibt es deutliche Unterschiede. Über die Hälfte (56%) der mittelgroßen Unternehmen gibt an, dass die Arbeitsauslastung gestiegen ist, während nur etwas über ein Viertel (29%) der Kleinunternehmen entsprechend meldet. Dazwischen liegen Großunternehmen (36%) und kleine und mittlere Unternehmen (38%). Bei den Kleinunternehmen gibt es mit 44% die meisten Stimmen hinsichtlich einer unveränderten Arbeitsauslastung, bei mittelgroßen Unternehmen sprechen die wenigsten Betriebe von einer unveränderten Situation (26%). 

Mentale Belastung oder Stress bei Mitarbeitenden gestiegen

Bei über der Hälfte (51%) der Unternehmen ist die mentale Belastung oder Stress bei Mitarbeitenden in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. 43% der Unternehmen melden, dass die mentale Belastung bei den Beschäftigten „eher gestiegen“ ist, in 8% der Fälle ist sie sogar stark gestiegen. Knapp die Hälfte (45%) der Betriebe erkennt bei ihren Mitarbeitenden in dieser Hinsicht keine Veränderung. Nur bei 3% hat die Belastung abgenommen.

Im Größenklassenvergleich lassen sich klare Unterschiede erkennen. Bei mittelgroßen Unternehmen (73%) und kleinen und mittleren Unternehmen (57%) ist der Anteil an Beschäftigten, die von einer gestiegenen mentalen Belastung sprechen, am höchsten. Das passt zur aktuell schwierigen Situation mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Probleme wie gestiegene Energiepreise, Lieferkettenstörungen und die Bürokratie machen diesen Betrieben momentan stark zu schaffen. Kleinunternehmen erkennen bei ihren Mitarbeitenden hingegen deutlich seltener eine Zunahme des Stresslevels. 38% geben an, dass die mentale Belastung in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen ist. Dazwischen liegen Großunternehmen mit 53%.

Unsicherheit größte mentale Belastung in Unternehmen

Die Ursache für mentale Belastung bei ihren Mitarbeitenden sehen die Unternehmen vor allem in der Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Lage und Auftragsentwicklung (49%), gefolgt von Veränderungsprozessen im Unternehmen (45%). Etwas mehr als ein Drittel der Teilnehmer nennt eine hohe Arbeitsmenge und hohen Zeitdruck (37%) sowie Personalengpässe (35%) als Auslöser. Etwa ein Viertel der Teilnehmer (24%) sieht Konflikte im Team oder mit Führungskräften als Treiber mentaler Belastung, 17% nennen Personalabbau bzw. Umstrukturierung. 10% der Unternehmen nehmen momentan keine besonderen Belastungen wahr. Weiterhin wurden die politische Unsicherheit, Kundenverhalten sowie private Angelegenheiten genannt. 

Während in Industrieunternehmen die Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Lage und Auftragsentwicklung eine deutlich größere Rolle spielt (59%) als im Handel (48%) und im Dienstleistungssektor (42%), wird in Dienstleistungsunternehmen häufiger eine hohe Arbeitsmenge und ein hoher Zeitdruck betont (39%, Industrie: 37%, Handel: 32%).  Mehr als die Hälfte der Industrieunternehmen gibt Veränderungsprozessen im Unternehmen als Ursache an (53%), im Handel sind es 44% und im Dienstleistungssektor 40%.

Knapp die Hälfte der Unternehmen erachtet Teilkrankschreibung als wenig sinnvoll

Fast die Hälfte der Unternehmen erachtet die Möglichkeit einer Teilkrankschreibung als wenig sinnvoll. So sagen jeweils 24% der Teilnehmenden, dass sie dies als gar nicht sinnvoll oder eher nicht sinnvoll erachten. Dahingegen gaben 27% an, die Regelung für sehr sinnvoll (8%) oder eher sinnvoll (19%) zu halten. Weitere 25% zeigen sich neutral.

Während im Handel 29% die Teilkrankschreibung als sinnvoll erachten, sind es im Dienstleistungssektor 27% und in der Industrie 26%. Handelsunternehmen bewerten das Instrument zudem am wenigsten kritisch, 45% geben an, eine Teilkrankschreibung für nicht sinnvoll zu halten (Dienstleistungen: 48%, Industrie: 50%).

Vor allem mittelgroße Unternehmen stehen der Teilkrankschreibung kritisch gegenüber. 52% halten die Teilkrankschreibung für eher nicht sinnvoll oder gar nicht sinnvoll. Bei Kleinunternehmen sind es 48%, bei Großunternehmen 46%. 

Kaum positive Effekte durch Teilkrankschreibung 

Auf die Frage nach positiven Effekten durch die Teilkrankschreibung antwortet exakt ein Drittel der Unternehmen mit kürzeren Fehlzeiten von Mitarbeitenden.  Weitere 31% hoffen auf eine schnellere Rückkehr erkrankter Beschäftigter. Jedes fünfte Unternehmen (21%) hofft auf einen längeren Einsatz von Fachkräften trotz gesundheitlicher Einschränkungen. Für 12% spricht eine flexiblere Personalplanung für die Teilkrankschreibung. Der Großteil der Betriebe (47%) erwartet durch die Teilkrankschreibung allerdings keine wesentlichen positiven Effekte.

Die größte Herausforderung bezüglich der Teilkrankschreibung sehen Unternehmen vor allem darin, eine Abgrenzung zwischen arbeitsfähig und arbeitsunfähig zu finden. Dies nannten 76% der Unternehmen. Weitere 57% sehen einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand. 49% geben an, dass eine Teilkrankschreibung in vielen Tätigkeiten kaum umsetzbar sei. Außerdem befürchten 35%, dass eine Überforderung erkrankter Mitarbeitender die Folge sein könnte. Nur 6% sehen keine besonderen Herausforderungen.

Der Größenklassenvergleich zeigt, dass Unternehmen mit zunehmender Größe die Umsetzung einer Teilkrankschreibung als schwieriger erachten. Bei Kleinunternehmen geben 9% an, dass es keine besonderen Herausforderungen gibt, bei kleinen und mittleren Unternehmen sowie mittelgroßen Unternehmen sind es 5% und 8%. Großunternehmen sind sich hingegen einig, dass es durchaus besondere Herausforderungen gibt. Diese nennen vor allem die schwierige Abgrenzung zwischen arbeitsfähig und arbeitsunfähig (88%). Bei mittelgroßen Unternehmen stimmen dem 76% zu, bei kleinen und mittleren Unternehmen 77% und bei Kleinunternehmen 71%.

Teilkrankschreibung am ehesten in der Administration möglich 

Zusätzlich zu den Effekten einer möglichen Teilkrankschreibung wurden die Unternehmen befragt, in welchen Unternehmensbereichen eine Umsetzung möglich wäre. Mit Abstand am häufigsten (55%) wurde dabei die Administration genannt. Weitere 33% nannten Vertrieb und Kundenservice. 27% sprachen sich für den Bereich Dienstleistung und Beratung aus. 24% nannten den Bereich Wissensarbeit. In den Unternehmensbereichen Logistik (11%) und Produktion (8%) ist dies deutlich seltener möglich. Knapp ein Drittel der Unternehmen (32%) gab an, dass eine Teilkrankschreibung in ihrem Unternehmen gar nicht sinnvoll umsetzbar sei.

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Daria Schaller

ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen
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