Gender Economics
Die Debatte um die Gleichbehandlung der Geschlechter hat viele Facetten. Aus ökonomischer Sicht ist die Teilhabe am Arbeitsmarkt ein wichtiger Faktor für das Wirtschaftswachstum. Die Beteiligung von Frauen liegt unter der von Männern – mit abnehmender Tendenz. Dafür gibt es viele Gründe: gesellschaftliche Normen sind einer davon, aber auch Anreize durch das Steuersystem oder unzureichende Kinderbetreuungsplätze.
Vom Gender Gap zum Gender Pay Gap
Der deutsche Gender Gap liegt bei 45%, d.h., Frauen verdienen im Schnitt 45% weniger als Männer, und ist im europäischen Vergleich einer der höchsten. Hier spielen die Entscheidung für Teilzeit, aber auch der primäre Gender Pay Gap eine große Rolle. Dieser beschreibt, wieviel weniger Frauen in Vollzeit als Männer verdienen und wird auch durch die Berufswahl beeinflusst, die wiederum durch geschlechtsspezifische Vorurteile getrieben wird.
Frauen in Führungspositionen: Deutschland Schlusslicht
Der Frauenanteil in Führungspositionen in deutschen Unternehmen ist im internationalen Vergleich gering. Auch in Politik, Wissenschaft und im öffentlichen Bereich dominieren Männer in Führungspositionen. Neben individuellen Entscheidungen spielen staatliche Institutionen eine Rolle bei dieser Entwicklung. Dazu zählen u.a. das Steuer- und Sozialsystem (Ehegattensplitting, beitragsfreie Mitversicherung), Betreuungsangebot, Arbeitnehmerrecht und Scheidungsrecht.
Ehegattensplitting zementiert traditionelle Verteilung
Das deutsche Steuersystem ist im internationalen Vergleich eines der wenigen, in dem es ein Ehegattensplitting gibt. Durch den progressiven Steuertarif ist der Splittingvorteil bei einem Einverdienerhaushalt maximiert. Die Aufnahme einer Arbeit wird für den anderen Ehepartner, meist die Frau, durch dieses System nicht gefördert. So hemmen staatliche Institution eine gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen in Deutschland.
Mädchen tragen rosa – Jungen sind Piraten
Gesellschaftliche Normen tragen zur ungleichen Behandlung der Geschlechter bei uns setzen bereits im frühen Kindesalter durch das soziale Umfeld ein. Eine starke Betonung der Geschlechter bzw. der geschlechtsspezifischen Vorurteilehat weitreichende Folgen und beeinträchtigt Kinder sowie Jugendliche in ihrer kognitiven und sozioemotionalen Entwicklung. Die darauf basierende Berufswahl, Karriere- und Familienplanung verstetigen ein mögliches Auseinanderfallen von Gehältern der verschiedenen Geschlechter.
Aktuelle Studien zeigen: Bei Jungen äußern sich negativen Effekte in verringerten Lese- und sozialen Fähigkeiten. Zudem werden ausschließlich Jungen bei nichtgeschlechtskonformem Verhalten aus dem sozialen Umfeld heraus bestraft. Bei Mädchen äußern sich die negativen Effekte der Ungleichbehandlung in einer verringerten Ausbildung der räumlichen und mathematischtechnischen Fähigkeiten. insbesondere Mädchen entwickeln weniger Interesse in den genannten Bereichen und Selbstvertrauen als Jungen.
Sensibilisierung notwendig
Geschlechtsneutrale Pädagogik bzw. Maßnahmen, die solchen Vorurteilen entgegenwirken, könnten diese negativen Einflüsse abschwächen. Dazu zählen bspw. eine angepasste bzw. sensibilisierte Aus und Weiterbildung von Krippen und Kindergartenerziehern, die Sensibilisierung der Eltern, das Umgestalten von (Schul) Büchern und geschlechtsneutraleres Spielzeug.
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